Archive für ‘Braunschweig’

Braunschweiger Löwe

Mai 25, 2008 Von: Stefan Kategorie: Braunschweig

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Braunschweiger Löwe

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Der Braunschweiger Löwe ist ein Denkmal und wahrscheinlich das bekannteste Wahrzeichen der Stadt Braunschweig auf dem Platz vor der Burg Dankwarderode und dem Braunschweiger Dom. Innerhalb Braunschweigs wird er daher üblicherweise als „Burglöwe“ bezeichnet.

Entstehung

Heinrich der Löwe (* 1129/30; † 1195), Herzog von Bayern und Sachsen, ließ das Löwenstandbild während seiner Regentschaft in seiner Residenz Braunschweig um 1166 als Zeichen seiner herzoglichen Herrschaft und Gerichtshoheit errichten.

Der Braunschweiger Löwe ist die älteste erhaltene Großplastik des Mittelalters nördlich der Alpen und erster größerer figürlicher Hohlguss seit der Antike. Der von einem unbekannten Künstler vermutlich in Braunschweig selbst geschaffene Bronzeguss wiegt 880 kg, hat eine Höhe von 1,78 m, eine Länge von 2,79 m und eine maximale Wandstärke von 12 mm.

Das Braunschweiger Standbild soll sich künstlerisch an der Kapitolinischen Wölfin, auch „Römische Lupa“ genannt (aus dem 5. Jh. v. Chr.) sowie am Markuslöwen von Venedig oder der Reiterstatue Marc Aurels in Rom orientieren. Diese bedeutenden Werke der Bildhauerkunst dürften dem Welfenherzog durch seine Teilnahme an den ersten beiden Italienfeldzügen Kaiser Friedrich I. Barbarossas, bekannt gewesen sein.

Der Künstler des Werkes ist unbekannt, doch ist aufgrund der feinen Ziselierung und der für die Entstehungszeit des 12. Jahrhunderts geradezu naturalistisch anmutenden Ausführung zu vermuten, dass es sich um einen erfahrenen Goldschmied handelte. Ebenfalls denkbar wäre die künstlerische Umsetzung durch einen mit großformatigen Bronzegüssen vertraut gewesenen Glockengießer. Ursprünglich war der Löwe vergoldet, Spuren einer Vergoldung wurden während der letzten Restaurierung zwischen den Zotteln der Mähne gefunden.

Mehrere mittelalterliche Chronisten haben Heinrich den Löwen als Auftraggeber des Standbildes überliefert, unter ihnen auch der Abt des Marienklosters zu Stade, Albert von Stade, der seine „Annalen“ etwa Mitte des 13. Jahrhunderts verfasste. Darin notierte er für das Jahr 1166:

„Henricus Dux supra basin erexit leonis effigiem …“
(dt.: „Herzog Heinrich [von Braunschweig] errichtete auf einem Sockel die Gestalt eines Löwen …“).
Aufgrund dieser Quelle gilt das Jahr 1166 gemeinhin als Entstehungsjahr des Standbildes, doch ist zu beachten, dass Albert für das selbe Jahr Ereignisse verzeichnet, die aber tatsächlich in einem Zeitraum zwischen 1163 und 1176 bis 1181 stattfanden.

Die Braunschweigische Reimchronik, entstanden am Ende des 13. Jahrhunderts, vermerkt:

„Ok heit he van metall, eynen lauwen gheten van richer kost, den he leit setten up eynen post, van steine wol gehowen, also men noch mag schowen, in der borch to Brunschwich, dat dede der Forste Henrich, tausend jar han ek gehort und hundert sechsundsechzig van Christi Gebort, nach sines nahmen schine und art.“

Das Löwen-Standbild durch die Jahrhunderte

Unter dem Braunschweigischen Herzog Friedrich Ulrich wurde das Monument, auf dem sich der Löwe ursprünglich befand, im Jahre 1616 wiederhergestellt und zusätzlich eine Sandsteintafel mit einer Inschrift daran angebracht.

In der Übersetzung lautet die Inschrift:

„Im Jahre des Heils 1616 im August hat der Erlauchteste Fürst und Herr, Herr Friedrich Ulrich, Heinrich Julius’ Sohn, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, dieses alte Denkmal seiner Dynastie, das durch die Zeiten und des Wetters Ungunst verfallen war, wiederherzustellen und in den Zustand alten Glanzes zurückzuversetzen angeordnet, nachdem er ein Jahr vorher diese Stadt aufs heftigste belagert und eingeschlossen hatte, Frieden und Eintracht aber nach deren Befreiung im Februar unter Ableistung des Huldigungseides geschlossen worden war, zum immerwährenden Gedächtnis.“
Das Original der Tafel befindet sich heute im Städtischen Museum Braunschweig und wurde auf dem Sockel durch eine 1858 entstandene Kopie ersetzt. In einer Chronik aus dem Jahre 1722 wird von einer noch älteren Inschriftentafel berichtet, wobei allerdings bei dieser nicht eindeutig geklärt ist, ob sie zeitlich mit der Entstehung der Bronzeplastik zusammenfällt (also von Heinrich dem Löwen selbst in Auftrag gegeben wurde) oder aber späteren Datums (aber vor 1616) war, denn diese Tafel gilt als verschollen.

Ihre Inschrift soll wie folgt gelautet haben:

„Henricus Leo Dei Gratia / Dux Bavariae et Saxoniae / Ad sempiternam et Originies et / Nominis sui Memoriam / Brunswici in avito majorum / Suorum Palatio / Anno ab Incarnatio ne Dño / M. C. LXVI. / H. M. P.“
(dt.: „Heinrich der Löwe, von Gottes Gnaden Herzog von Bayern und Sachsen / zur immerwährenden Erinnerung seiner Abkunft und seines Namens … 1166 …“)

Sowohl Löwe als auch Sockel wurden über die Jahrhunderte hinweg mehrfach repariert bzw. restauriert. So z. B. 1412, 1616, 1721, 1762, 1791-92, 1818, 1858 und 1980-83.

Während der napoleonischen Besatzung wurde der Löwe 1812 durch Protest des Präfekten des Départements Oker, Friedrich Henneberg, vor dem Einschmelzen gerettet.

Im Jahre 1858 wurde der Braunschweiger Löwe in der Werkstatt des Braunschweiger Erzgießers Georg Ferdinand Howaldt restauriert. Während der Arbeiten an der Plastik wurde der Sockel vollständig abgetragen und wieder neu aufgebaut.

Der Braunschweiger Löwe im 20. Jahrhundert

Während des Zweiten Weltkrieges stand der Löwe in den ersten Kriegsjahren und trotz mehrfacher schwerer Bombardierung durch die Alliierten weiterhin und v. a. ungeschützt auf seinem Podest auf dem Burgplatz. Erst auf Initiative des Braunschweigischen Landeskonservators Kurt Seeleke wurde das jahrhundertealte Wahrzeichen der Stadt - in einer Nacht-und-Nebel-Aktion ohne Absprache mit der vorgesetzten Dienststelle und ohne die braunschweigische NSDAP-Führung informiert zu haben - gegen eine Kopie, die bereits 1937 angefertigt worden war, ausgetauscht. Das Original brachte Seeleke eigenhändig in einem Bergwerksstollen im nahegelegenen Rammelsberg bei Goslar in Sicherheit[1].

Zusammen mit anderen Kunstschätzen aus Braunschweig blieb der Löwe bis zum 23. Oktober 1945 in seinem Versteck und gelangte erst an diesem Tage wieder in Begleitung Seelekes nach Braunschweig zurück. Robert Lonsdale Charles, „Kunstschutzoffizier“ der britischen Armee und Seeleke von der britischen Militärverwaltung beigeordnet, beschrieb die Rückkehr des Braunschweiger Löwen in seinem Tagebuch folgendermaßen: „Um 2:30 konnten wir losfahren … Die Landarbeiter auf den Feldern sperrten Mund und Nase auf, als sie ihn vorbeifahren sahen, und ich konnte ihre Lippen sich bewegen sehen, wenn sie auf uns zeigten, lachten und riefen: ‚Der Braunschweiger Löwe!’ … Gegen fünf Uhr kamen wir in Braunschweig an … Eine Menschenmenge versammelte sich um ihn, Mütter hoben ihre Kinder hoch, damit sie ihn sehen konnten … alles war sehr rührend.“

Bevor das Original aber wieder an seinen angestammten Platz zurückkehren konnte, wurde es zunächst von Metallbildhauer Werner Kump restauriert, um dann 1946 wieder auf dem Burgplatz aufgestellt werden zu können. Die Kopie von 1937 war bis Anfang der 1990er Jahre beim Braunschweigischen Landesmuseum neben der Aegidienkirche aufgestellt. Inzwischen steht sie im Braunschweigischen Landesmuseum.

Das Original des Löwen verblieb aber auf dem Burgplatz nur bis zum 9. Juli 1980: An diesem Tage wurde das Standbild wegen der zunehmenden Luftverschmutzung in der Stadt und dadurch verursachten Beschädigungen an der Plastik wieder vom Sockel genommen und ein erneut angefertigtes Duplikat trat an seine Stelle und befindet sich noch heute dort. In den drei darauf folgenden Jahren wurde der Löwe aufwändig im Städtischen Museum restauriert.

Seit 1989 befindet sich das mittlerweile knapp 840 Jahre alte Wahrzeichen Braunschweigs zum Schutz vor schädlichen Umwelteinflüssen in der Burg Dankwarderode , wo es jetzt aus nächster Nähe zu besichtigen ist.

Der Braunschweiger Löwe in anderen Städten

Kopien des Löwen stehen auch in anderen deutschen Städten, in denen Heinrich der Löwe gewirkt, bzw. die er gegründet hat oder die mit Braunschweig in enger Verbindung stehen; so in:

vor der Kaiserpfalz Goslar
Lübeck seit 1975 vor dem von ihm gestifteten Lübecker Dom
Ratzeburg vor dem Dom, aufgestellt 1881
Weingarten im Innenhof des Klosters Weingarten
Schwerin am Dom, gestiftet 1995 aus Anlass der 1000-Jahrfeier Mecklenburgs
Lübstorf bei Schwerin, vor dem Schloss Wiligrad, aufgestellt 1913/14 durch Johann Albrecht zu Mecklenburg (von 1907 bis 1913 Regent des Herzogtums Braunschweig), nach 1950 verschwunden
Blankenburg, 1915 auf der Terrasse des Großen Schlosses aufgestellt, seit 1953 in den Barocken Gärten des Kleinen Schlosses. In Blankenburg, auch „die Welfentreue“ genannt, weil die Stadt und der Ministeriale Jordan von Blankenburg im Kampf gegen Friedrich Barbarossa treu zu Heinrich dem Löwen gehalten hatten, befand sich von 1925-1945 der Hauptsitz der Welfenfamilie.
Seit 1900 steht auch ein Braunschweiger Löwe in der Neuen Welt, nämlich nahe der Universität von Harvard, in Cambridge, Massachusetts.

Eine Kopie steht auch in London im Victoria and Albert Museum

Symbol

Heinrich der Löwe ließ das Bronzestandbild zur Demonstration seiner weltlichen Herrschaft im Zentrum seiner Macht aufstellen. Sicherlich spielte dabei auch sein angespanntes Verhältnis zu und sein Machtanspruch gegenüber Verwandten, dem Stauferkaiser Friedrich Barbarossa eine wichtige Rolle. Es ist ein einzigartiges Zeugnis der Gießereikunst des 12. Jhs. Der Löwe wurde bereits damals auf herzoglichen Münzen abgebildet und fand 1231 Aufnahme in das älteste (erhaltene) Siegel der Stadt Braunschweig. Seit Mitte des 14. Jhs. ist der Löwe Wappentier und zugleich Wahrzeichen der Stadt Braunschweig.

Auf der um 1300 entstandenen sogenannten Ebstorfer Weltkarte ist Braunschweig mit dem Löwenstandbild und darüber „Leo“ eingezeichnet – so bekannt waren Stadt und Standbild bereits damals.

1492 erscheint der Braunschweiger Löwe auch in der „Sachsenchronik“ des Hermann Bote.

Der Braunschweiger Löwe war ebenfalls Vorbild für das Logo der Braunschweiger Firma Büssing. Einige LKW erhielten zudem den Namen „Burglöwe“ als Marke. Nach der Übernahme 1972 durch MAN wurde der Name „Büssing“ mit dem Löwen-Logo zunächst als Zusatz weitergeführt. Als die ersten MAN-Busse ohne den Zusatz „Büssing“ an die Braunschweiger Verkehrs-AG ausgeliefert wurden, protestierte die Bevölkerung und MAN rüstete das Löwen-Logo nach. Später übernahm die Firma es generell und so schmückt es noch heute deren LKW und Omnibusse.

Im Dritten Reich zierte der Braunschweiger Löwe eine 5-Reichsmark-Banknote aus dem Jahr 1942, und von 1990 bis zur Euro-Einführung gab die Deutsche Bundespost im Rahmen der Dauermarken-Serie „Sehenswürdigkeiten“ eine 5-Pfennig-Briefmarke mit dem Kopf des Braunschweiger Löwen heraus.

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Burg Dankwarderode

Mai 25, 2008 Von: Oliver Kube Kategorie: Braunschweig

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Burg Dankwarderode

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Die Burg Dankwarderode am Burgplatz in Braunschweig ist eine sächsische Flachlandburg, war über Jahrhunderte Residenz der Braunschweiger Herzöge und ist heute Teil des Herzog Anton Ulrich-Museums.

Bau- und Nutzungsgeschichte

Mittelalter

Auf einer natürlichen Okerinsel bestand bereits im 11. Jahrhundert eine Befestigung der brunonischen Grafen, erstmals 1134 als castrum Tanquarderoth urkundlich genannt, an deren Stelle ca. 1160-1175 die Burg Dankwarderode als Pfalz Herzog Heinrichs des Löwen erbaut wurde. Ein Herzog Dankward als Namensgeber ist historisch nicht nachweisbar. Die Flachlandburg nahm die gesamte Größe der damaligen Okerinsel ein, also etwa von Münzstraße bis Vieweghaus und von Ruhfäutchenplatz bis Domplatz. In Anlehnung an die Kaiserpfalz Goslar wurde das Hauptgebäude als doppelgeschossiger Palas mit Doppelkapelle angelegt. Es bestand ein direkter Zugang vom Obergeschoss in das Nordquerhaus des seit 1173 im Bau befindlichen Domes. Das Erdgeschoss war wie die Goslarer Pfalz durch eine Fußbodenheizung heizbar. Dankwarderode und große Teile der Altstadt wurden 1252 durch einen Brand zerstört.

Renaissance bis 19. Jahrhundert

Der Palas wurde 1616 im Stil der Renaissance umgebaut. Die anderen Burganlagen sind im Laufe der Jahrhunderte verfallen und abgetragen worden. Seitdem bezieht sich die Bezeichnung Burg Dankwarderode nur noch auf den heute in rekonstruierter Form noch sichtbaren Palas. In den Jahren 1635 bis 1643 war der in dieser Zeit auch als ‘Mosthaus’ bezeichnete Bau Sitz Herzog Augusts des Jüngeren († 1666), bevor er die Residenz nach Wolfenbüttel verlegte. Herzog Anton Ulrich ließ in den Jahren 1690 bis 1700 Anbauten durch Völcker und Korb errichten. Die Burgkapelle St. Georg und St. Gertrud ließ man Ende des 17. Jahrhunderts nach einem Brand abbrechen. In den Jahren 1763 bis 1765 wurde der südliche Teil des Palas für Ferdinand, den Bruder Herzog Karls I., durch Carl Christoph Wilhelm Fleischer umgebaut (’Ferdinandsbau’). Seit 1808 diente der Palas als Kaserne. Nach einem Brand im Jahre 1873 war der Abriss zugunsten des Straßenbaus geplant, was durch Bürgerproteste verhindert werden konnte. Die Ruine gelangte 1878 durch Kauf in den Besitz der Stadt.

Rekonstruktion und Neuaufbau

Der Palas wurde von Stadtbaurat Ludwig Winter 1887 bis 1906 auf der Grundlage intensiver archäologischer Untersuchungen auf Kosten des Regenten Prinz Albrecht rekonstruiert und als neoromanischer Bau wieder errichtet. Im Zuge der Sicherung der mittelalterlichen Substanz konnte Winter den mittelalterlichen Grundriss weitgehend rekonstruieren. Zur historischen Substanz gehören die Säulenarkade im Untergeschoss sowie die zur Münzstraße zeigende Rückwand des Palas mit den romanischen Fenstern des Rittersaales. Alles weitere, insbesondere die bekannte Fassade zum Burgplatz hin, sind Rekonstruktionen im Sinne des Historismus und haben in dieser Form höchstwahrscheinlich nicht bestanden.

Der heutige zweigeschossige Saalbau (15 x 42 m) besteht aus dem ‘Knappensaal’ im Erdgeschoss und dem in freier Rekonstruktion entworfenen ‘Rittersaal’ im Obergeschoss. Die historisierende Ausmalung erfolgte durch den Hofdekorationsmaler Adolf Quensen. Während des Zweiten Weltkrieges erlitt der Bau einen Volltreffer durch eine Sprengbombe, was die Dachbalkenkonstruktion des Rittersaales sowie die historistische Ausmalung weitgehend zerstörte. Nach dem Krieg wurden die Schäden provisorisch beseitigt.

Seit 1963 beherbergt der Knappensaal die Mittelalter-Abteilung des Herzog Anton Ulrich-Museums, unter anderem mit dem Original des Braunschweiger Löwen, der im 12. Jahrhundert auf dem benachbarten Burgplatz aufgestellt wurde, sowie dem Kaisermantel Ottos IV.. Der Rittersaal wurde Anfang der 90er Jahre aufwendig rekonstruiert und die Ausmalungen nach originalen Vorlagen wiederhergestellt. Er wird heute für Veranstaltungen und wechselnde Ausstellungen genutzt.

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Braunschweiger Dom

Mai 25, 2008 Von: Stefan Kategorie: Braunschweig

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Braunschweiger Dom

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Der Braunschweiger Dom wurde 1173 als Kollegiatsstiftskirche von Heinrich dem Löwen, Herzog von Bayern und Sachsen, gegenüber seiner Burg Dankwarderode „zur Ehre St. Blasius’ und St. Johannis des Täufers“ gestiftet und von ihm zu seiner Grablege und der seiner zweiten Gemahlin Mathilde von England bestimmt.

Ursprünge

Die Bauarbeiten begannen im Jahre 1173 nach der Rückkehr Heinrichs aus dem Heiligen Lande, wohin er eine Pilgerreise unternommen hatte. Für die Jahre 1182-1185, die Zeit der ersten Verbannung Heinrichs nach England, wird von einer Bauunterbrechung auszugehen sein. Es ist anzunehmen, dass die Ostseite des Gebäudes um 1188 (dem Jahr der Weihe des noch heute im Dom befindlichen Marienaltars) fertig gestellt gewesen sein dürfte. Obwohl 1195, im Todesjahr Heinrichs des Löwen, das Dach der Kirche abbrannte, dürften ebenfalls die Arbeiten am Langhaus sowie Teilen der Turmgeschosse abgeschlossen gewesen sein.

Als Heinrich 1195 starb, wurde er neben seiner zweiten Ehefrau Mathilde, die bereits 1189 verstorben war, im noch unfertigen Dom beigesetzt. Das im Dom befindliche gemeinsame Grabmal wurde um 1230 gestiftet und ist an dieser Stelle seit dem Mittelalter bezeugt.

Die Bezeichnung „Dom“ erhielt das Bauwerk höchstwahrscheinlich bereits im 14. oder 15. Jahrhundert. Nach mittelalterlichem Verständnis war damit aber nicht so sehr die Kirche eines Bischofs, als vielmehr die eines Stiftes gemeint. Bis in das 19. Jahrhundert trug der Braunschweiger Dom deshalb die Bezeichnung „Stiftskirche“.

Am 29. Dezember 1226 wurde der Dom geweiht und Thomas Becket zum dritten Schutzpatron des Domes erkoren. Seit 1543 ist der Braunschweiger Dom ein protestantisches Gotteshaus.

Architektur

Aufzeichnungen über den Beginn der Arbeiten an dem romanischen Bauwerk und die beauftragten Baumeister existieren heute nicht mehr. Als Anhaltspunkte können lediglich die Weihen der zahlreichen Altäre des Domes herangezogen werden, über die z. T. noch Unterlagen existieren.

Ursprünglich als dreischiffige romanische Pfeilerbasilika im gebundenen System, mit Querhaus, drei Apsiden, Krypta, Hochchor und sächsischem Westriegel konzipiert (wie z.B. ebenfalls beim Dom von Königslutter zu finden) und aus Sandstein (Kalkstein aus dem Elm und Rogensandstein aus dem Nussberg) errichtet, wurde der Dom über die Jahrhunderte hinweg mehrfach erweitert und umgebaut. Die besondere architektonische Gestaltung ergibt sich aus den Pfeilern und Wandvorlagen mit Kantensäulen, würfelförmigen Kapitellen, überhöhten Kreuzgratgewölben, im Mittelschiff als Tonnengewölbe ohne Gurtbögen durchlaufend.

Eine Auswölbung mit einem Tonnengewölbe war für romanische Basiliken zunächst nicht üblich. Meist zog man eine flache Holzdecke über das Hauptschiff. Andere Kirchen wurden zwar schon eher als der Braunschweiger Dom mit einem Tonnengewölbe ausgewölbt, vom Braunschweiger Dom kann man jedoch sagen, dass er eine der ersten Kirchen in Deutschland war, die von Anfang an für eine vollständige Auswölbung konzipiert waren.

Die Ostseite des Domes wurde über die Jahrhunderte hinweg baulich am wenigsten verändert. Auf der Nordseite, zum Burgplatz hin, befindet sich auch das Hauptportal des Gotteshauses, darüber das Wappen des welfischen Kanzlers und Stiftsherren Ludolf Quirre und die Jahreszahl 1469. Die beiden achteckigen Türme des Domes erhielten um 1300 eine gotische Glockenstube, sind aber bis heute unvollendet geblieben.

Zwischen 1322 und 1346 wurde an der Südseite ein weiteres Seitenschiff angefügt, und nachdem man auf der Nordseite das dort bereits bestehende Seitenschiff abgetragen hatte, wurde an seiner statt eine zweischiffige spätgotische Halle erbaut. Die Weihe fand 1477 statt.

Auffällig ist, dass die nördlichen Seitenschiffe im regional untypischen Perpendicular Style, dem Stil der englischen Spätgotik, ausgeführt sind. Kennzeichnend dafür sind die typischen Fenster mit Tudorbögen sowie die Gestaltung der Gewölbe. Die das Gewölbe tragenden Säulen sind nicht, wie regional typisch, Gewandsäulen, sondern sind in sich gedreht und stellen Meisterwerke der Steinmetzkunst dar.

Größere architektonische Veränderungen fanden unter Herzog Rudolf August um 1687 und seinem Bruder Herzog Anton Ulrich um 1700 statt. Zwischen 1866 und 1910 wurde der Dom schließlich grundlegend rekonstruiert und nach dem damaligen Zeitgeschmack (Historismus) umgestaltet.

Ausstattung

Secco-Malereien

Das Kreuzschiff, der hintere Teil des Langhauses und die Apsidien wurden zwischen 1230 und 1250 mit Secco-Malereien ausgestattet, von denen heute noch ca. 80 % erhalten sind. Sie wurden 1845 unter einer Übermalung wieder entdeckt, abgepaust und anschließend restauriert, wobei es im Gegensatz zu der heutigen Auffassung von „Restaurierung“ als konservierender Bewahrung im 19. Jahrhundert durchaus üblich war, phantasievolle Ergänzungen im Sinne des Historismus auszuführen, die allerdings nichts mit dem Original zu tun hatten.

Die Restaurierungs- und Ergänzungsarbeiten erstreckten sich über mehrere Jahrzehnte, namentlich zu nennen sind in diesem Zusammenhang Heinrich Brandes, der Braunschweiger Hofdekorationsmaler Adolf Quensen sowie Prof. August Ottmar Essenwein. Während dieser Zeit wurden auch die Malereien auf den Säulen im Langhaus hinzugefügt, die im Mittelalter sehr wahrscheinlich nicht vorhanden waren. Einige der Malereien auf den Säulen tragen unauffällig den Hinweis „Von Essenwein ergänzt 1880“. Nach den mittelalterlichen Traditionen der Ausmalung romanischer Kirchen wurde jedoch nur das Sanktuarium ausgemalt, nie aber das Langhaus.

Unter wohl weitgehender Übernahme des Gegenständlichen wurde 1880/81 eine vollständige Neubemalung des Domes durchgeführt. 1876 waren bereits die Heiligenfiguren an den Mittelschiffpfeilern geschaffen worden. Ältere Aufnahmen zeigen, dass der Dom damals im gesamten Mittelschiff mit ornamentaler und figürlicher Malerei versehen war.

Am nordwestlichsten Langhauspfeiler sowie im Vierungsgewölbe sind noch heute Inschriften mit dem Namen des mittelalterlichen Künstlers zu finden. Darin verweist ein „Johannes Wale“ oder „Johannes Gallicus“ stolz auf sein Werk: „Würden diese Figuren unter den Lebenden weilen, würden sie mit Recht bei den Göttern wohnen.“

Sowohl die Malereien als auch der Name Gallicus deuten auf eine Beeinflussung des Künstlers aus Frankreich hin. Der Stilbefund der Malereien erlaubt eine Datierung in die Zeit um 1230/50. Außerdem bestehen deutliche Bezüge zur Bemalung der Holzdecke in St. Michael in Hildesheim, deren ausführende Werkstatt eng mit der in Braunschweig verbunden gewesen sein dürfte. Kontinuum ist bei den Darstellungen die gleiche eckige Behandlung besonders der unteren Gewandfalten. Diese kantige Darstellungsform wurde als „Zackenstil“ bezeichnet und war in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts sehr weit verbreitet.

Den besten Eindruck des Originalzustandes zeigt der südliche Querhausarm, der 1954/56 in mühevoller Kleinarbeit von Restaurator Fritz Herzig wiederhergestellt wurde. Dabei untersuchte dieser auch die von Johannes Gallicus verwendete Secco-Technik.

Generell folgen solche mittelalterlichen Ausmalungen einem thematisch festgelegten Bildprogramm. Ein Teil der Bilder wendet sich biblischen Themen zu, meist einem ausgeprägt christologischen Bilderzyklus; ein weiterer Teil beschäftigt sich mit der Genealogie des oder der Stifter, ein anderer beschäftigt sich mit der Geschichte der Patrone.

Es sei hier kurz auf die Szenenfolgen eingegangen (vom Chor über die Vierung ins südliche Querhaus): Wurzel Jesse (Stammbaum Jesu), Himmlisches Jerusalem (Weisung), Zyklen von der Auffindung des wahren Kreuzes Jesu durch die Heilige Helena, die Märtyrerlegenden des Heiligen Blasius, Johannes des Täufers und Thomas Becket von Canterbury, das nördliche Querhaus wurde im Anschluss an die Aufdeckung im 19. Jahrhundert mit Szenen aus dem Leben Christi versehen, im Mittelalter waren diese Wände offenbar unbemalt.

In der mittleren Apsis thront der wiederkehrende Christus Pantokrator auf einem Regenbogen, um die Welt zu richten. In den Toren des gemalten Mauerkranzes wachen die zwölf Apostel. Vom Lamm Gottes im Zentrum ausgehend sind Szenen dargestellt, die von der Hoffnung auf neues Leben geprägt sind: die Geburt Christi, die Frauen am leeren Grab des Auferstandenen, das Abendmahl des Auferstandenen mit zwei Jüngern in Emmaus und die Ausgießung des Heiligen Geistes zu Pfingsten.

In der Wölbung des Chorraumes ist die irdische Abkunft Jesu von König David zu Maria dargestellt, unter vielfachen Verästelungen zu anderen undefinierbaren Königen, die das gesamte Gewölbe füllen.

Gegenüber der einstigen Kaiserempore im Südquerhaus, also bei jedem Gottesdienst im Angesicht Kaiser Otto IV., ist die Legende von der Auffindung des Heiligen Kreuzes durch die Heilige Helena dargestellt. Sie verweist auf die Pilgerreise Heinrichs des Löwen nach Jerusalem. Da Helena die Mutter Konstantins war, des ersten christlichen Kaisers in Rom und auf einem Schild der streitenden Truppen der Reichsadler zu sehen ist, manifestiert der Fries aber auch das welfische Selbstverständnis als direkte Erben des römischen Kaisertums, wie es Kaiser Otto IV. verkörperte. Bei der Darstellung des Reichsadlers soll es sich um dessen älteste Wiedergabe handeln. Hier zeigt sich auch der Initiator der Ausmalung des Braunschweiger Doms und seine Intention: Otto IV. kümmerte sich bereits zu Lebzeiten um die Gestaltung seiner Grablege. Die thematische Gliederung der Ausmalung ist also im Zusammenhang mit der weiteren Ausgestaltung des Domes als Gesamtausstattung einer kaiserlichen Grablege zu verstehen.

Es gibt ein zusammenhängendes erhaltenes Kontinuum der Wandmalerei. Dieses zeigt – wenn auch teilweise durch die Überarbeitung des 19. Jahrhunderts etwas verfremdet – die Bedeutung von Wandmalereien für den mittelalterlichen Kirchenbau und deren Erzählfreude. Noch mehr als der heutige Besucher war der damalige Betrachter beeindruckt von der bunten Bilderfolge und den prachtvollen, teilweise vergoldeten Szenen, die in ihrer Gesamtheit zu den umfangreichsten Zyklen auf deutschem Boden zählen.

Vor dem Hintergrund der geplanten grundlegenden Bestandssicherung wurde in den letzten Jahren eine weit reichende Bestandsaufnahme zur Vorbereitung einer groß angelegten Restaurierung der Malereien durchgeführt, wobei die mittelalterlichen Malereien von späteren Übermalungen wieder freizulegen sind.

Im Südquerhaus sind noch etwa 40 % der Originalausmalung erhalten, wobei es sich bei diesen um die farbintensiveren Flächen handelt. Die Nachmalungen der verschiedenen Restaurierungen sind hingegen eher verblasst. Die gotische Idee, durch große Fenster möglichst viel Licht in den Kirchenraum zu lassen, hat den romanischen Malereien geschadet.

Imervard-Kreuz

Innerhalb und außerhalb des Domes befinden sich zahlreiche historische Kunstwerke. Im nördlichen Seitenschiff ist das sogenannte „Imervard-Kreuz“. Es ist belegt, dass dieses romanische Kreuz älter als der Braunschweiger Dom ist – es stammt vermutlich aus dem Jahre 1150.

Es handelt sich um ein romanisches Viernagelkreuz, welches dem Volto-Santo-Typus zugeordnet wird. In der Wissenschaft werden stilistische Bezüge zu dem Kreuz des Domes von Lucca hergestellt. Sehr wahrscheinlich handelt es sich um ein Prozessionskreuz, welches einer Prozession (vielleicht auch einem Kreuzzug oder einer Pilgerreise?) voran getragen wurde. Im Hinterkopf verbirgt sich eine kleine Lade, in der Reliquien aufbewahrt wurden. Auf dem Gürtel des Gekreuzigten ist die lateinisch Inschrift „IMERVARD ME FECIT“ (Imervard hat mich geschaffen) zu lesen.

Stilistisch gesehen wird hier, wie in romanischer Zeit üblich, kein leidender Christus dargestellt, sondern ein triumphierender Christus, ohne Dornenkrone, mit königlichem Gewand (Christus König).

Aus stilistischen Gründen handelt es sich mit Sicherheit nicht um ein Triumphkreuz, welches auf einem Balken an der Vierung angebracht war.

Marienaltar

Einer der vielen Altäre, die den Dom im Laufe der Jahrhunderte schmückten, ist der von Heinrich dem Löwen und seiner Frau Mathilde gestiftete Marienaltar. Bischof Adelog von Hildesheim weihte ihn am 8. September 1188, dem Tag der Geburt Mariens. Er besteht aus einer polierten Steinplatte (168 cm x 89 cm), die auf fünf Bronzesäulen (Höhe 95 cm) ruht. Die mittlere Säule enthält einen bleiernen Reliquienbehälter und eine lateinische Aufschrift, deren Übersetzung lautet:

„Im Jahre des Herrn 1188 ist dieser Altar zur Ehre der seligen Gottesmutter Maria geweiht worden von Adelog, dem ehrwürdigen Bischof von Hildesheim auf Veranlassung des berühmten Herzogs Heinrich, dem Sohn der Tochter des Kaisers Lothar II., und seiner frommen Gemahlin Mathilde, Tochter des englischen Königs Heinrich II., des Sohnes Mathildes, der Kaiserin der Römer.“

Der Marienaltar ist der einzige, der die über 800-jährige Geschichte des Domes „überlebt“ hat. Alle anderen Altäre sind verschwunden.

Siebenarmiger Leuchter

Ein weiteres, berühmtes Objekt ist der Siebenarmige Leuchter, der vermutlich um 1190 entstand. Im Braunschweiger Dom befindet er sich auf jeden Fall bereits seit vor 1196, da sich Ludolf von Volkmarode in einer Stiftungsurkunde dieses Jahres verpflichtet hatte, für die Wachskerzen dieses Leuchters zu sorgen.

Der Leuchter besteht aus 77 bronzenen Einzelteilen, hat eine Höhe von fast fünf Metern, eine Spannweite von vier Metern und wiegt über 400 kg.

In Ausgestaltung und religiöser Symbolik ähnelt der Braunschweiger Leuchter stark der Menora sowie dem Lebensbaum. Ähnliche Leuchter sind nur noch im Essener Münster und im Mailänder Dom zu finden.

Der Leuchter hat trotz seiner Ähnlichkeit mit der Menora mit dieser wenig gemein. Als gesichert kann angenommen werden, dass der Stifter den Dom als Abbild des salomonischen Tempels verstanden wissen wollte. Jedoch ist in diesem Leuchter wohl eher ein Grableuchter (Bezug zum Baum des Lebens) zu sehen, den Heinrich der Löwe wahrscheinlich für das Grab seiner kurz zuvor verstorbenen Frau Mathilde stiftete. Bezeichnend ist ebenfalls die himmelwärtige, auf einen Punkt zielende Ausrichtung der lilienförmigen Kerzenschalen, was wiederum auf eine Auferstehungssymbolik hinweist.

Grabmal Heinrichs des Löwen und Mathildes von England

Vor dem Marienaltar befindet sich das Grabmal Heinrichs des Löwen und seiner zweiten Ehefrau Mathilde, das beide Stifter überlebensgroß darstellt.

Es ist nicht direkt mit der Lebenszeit des Herzogspaares verbunden, sondern einige Jahrzehnte nach deren Tod entstanden. Bei den Grabfiguren handelt es sich um idealisierte Gestalten, die aber aufgrund der hervorragenden künstlerischen Qualität die Lebensnähe von Abbildern zu gewinnen vermögen.

Das Herzogspaar ist nicht im Alter der jeweiligen Todeszeit dargestellt, sondern als gleichaltrige Personen in der Blüte ihres Lebens. Die gesellschaftliche Stellung und Bedeutung der Persönlichkeiten werden durch Gesten und Attribute betont.

Der in Blickrichtung der Grabfiguren auf der rechten Seite ruhende Heinrich hält ein Modell des Braunschweiger Doms in seiner rechten Hand, in der linken ein mit dem Schwertgurt umwickeltes Schwert als Zeichen der Gerichtsbarkeit.

Mathilde umfasst mit ihren vor der Brust gefalteten Händen eine Schlaufe ihres Mantels. So werden der Herzog als herrschaftlicher Initiator des Kirchenbaus und die Herzogin als fromme Frau dargestellt, deren Gebetshaltung durchaus ihrer zeitgenössischen Bezeichnung als religiosissima femina entspricht.

Die Lebendigkeit des Ausdrucks äußert sich vor allem in den souverän geführten Gewändern der Dargestellten. Sie fungieren primär nicht als Verhüllung, sondern deuten die Körperpartien naturnah an und sind sogar in das Handeln der Figuren eingebunden, so bei Heinrich, der einen Mantelzipfel greift, um nicht das Sanktuarium des Modells zu berühren.

Zuvor war bei den früheren Grabplatten, etwa der des Rudolf von Schwaben aus dem 11. Jahrhundert im Dom zu Merseburg, ein Konflikt zwischen dem scheinbaren Stehen und dem tatsächlichen Liegen der Figuren sichtbar geworden.

Eine neue naturalistische Auffassung, die sich zeitlich eng verbunden mit den Grabplatten der Plantagenêts in der Abtei Fontevraud, in dieser Gegend jedoch erstmals in diesen Figuren manifestiert, überwindet diese Unentschiedenheit. Die Gewänder sinken zwischen den Beinen ein oder umhüllen geschmeidig fließend die Körper, an denen sie eigentlich herabhängen müssten, wenn Standfiguren gemeint wären. Auch das Kirchenmodell scheint mehr auf Heinrichs Brust zu liegen denn auf seiner Hand zu stehen. Diese neuartige Gestaltungsweise als künstlerische Errungenschaft hält sich bis in die jüngste Zeit im Mittelpunkt des Interesses der kunsthistorischen Forschung zum Braunschweiger Grabmal.

Die Entstehungszeit des Grabmals ist einigermaßen genau datierbar, da an dem Kirchenmodell, welches die Figur Heinrichs hält, bereits die ersten gotischen Veränderungen am Dom abzulesen sind (Durchbruch gotischer Fenster in der oberen Wand des Langhauses, wahrscheinlich zur besseren Beleuchtung oder Inszenierung des Grabmals selbst oder das Kaiser Ottos IV. zusammen mit dem dort stehenden siebenarmigen Grableuchter geschaffen). Dennoch schwanken die Datierungen zwischen 1200 und 1260. Am wahrscheinlichsten ist die Zeit kurz nach 1227, dem Todesjahr Pfalzgraf Heinrichs, in der die Lage Braunschweigs unsicher war und der Bruch von Besitzrechten auch durch die Gemahnung des Gedächtnisses an den großen Stifter vermieden werden sollte.

Sonnenuhren

Am Dom befinden sich vier Sonnenuhren, die aus den Jahren 1334, 1346, 1518, 1723 stammen.

Die beiden ältesten Uhren sind der Zeit entsprechend lediglich als Halbkreis geformt. Die Uhr aus dem Jahre 1518 zeigt bereits verschiedene Entwicklungsstufen dieses Uhrentyps. Die große Sonnenuhr am südlichen Turm wurde ursprünglich von dem Augsburger Kunsttischler Georg Hertel für die Städtische Münze am Kohlmarkt geschaffen und wurde erst 1723 (evtl. auch bereits 1716) am Dom angebracht. An ihr kann man nicht nur die Tageszeit und einige astronomische Daten ablesen, sie kann auch als Kalender genutzt werden.

Das Geläut

Der Dom besitzt zwölf Glocken, die überwiegend vom Anfang des 16. Jahrhunderts stammen. Es gehört zu den bedeutendsten Geläuten Deutschlands. Im Jahre 1502 wurden die drei größten von einem der renommiertesten Glockengießer seiner Zeit, dem niederländischen Meister Gerhard van Wou gegossen. Eventuell stammt von ihm auch noch eine vierte Glocke. Die größte dieser Glocken ist „Blasius major“ auch „Salvator“ (Ton a°) genannt. Sie wiegt über 4.300 kg und hat einen Durchmesser von 1,93 m. Des Weiteren stammen von ihm die Glocken „Maria“ (Ton h°) und „Johannes“ (Ton cis’) und evtl. auch die ehem. „Thomasglocke“, die jedoch 1660 abstürzte. Sie wurde erst 1989/90 durch die Glockengießerei Rincker aus Sinn unter dem Namen „Thomas Becket“ nachgegossen und wieder in das Domgeläut eingefügt (d’).

1506 wurde die Komplettierung des Geläuts durch sechs zusätzliche Glocken von seinem Gehilfen Hinrik van Campen durchgeführt. Die Glocken tragen die Namen: „Anna“ (eis’), „Blasius minor“ (ais’), „Kaspar“ (cis”), „Katharina“ (dis”), „Maria“ (gis’) und „Thomas“ (h’). Die älteste Glocke dürfte das „Adämchen“ resp. “Blasius minimus” (dis”‘) sein, denn ihrer Form nach stammt sie aus dem 15. Jahrhundert.

Die Glocke „Gabriel“ (eis”) wurde im Jahre 1700 vom Braunschweiger Glockengießer Arnold Grete aus einer ebenfalls 1506 von Hinrik van Campen geschaffenen Glocke umgegossen.

Während des Zweiten Weltkriegs sollten sämtliche Glocken des Domes zwecks Einschmelzung abgeliefert werden. Tatsächlich blieben die drei größten aber in der Glockenstube. Die anderen konnte man nach Kriegsende glücklicherweise unversehrt vom „Glockenfriedhof“ bergen und an ihren angestammten Platz zurückbringen.

Restaurierung der großen Glocken

Am 23. April 2006 verließen die drei größten Glocken des Domes („Blasius major“, „Maria“ und „Johannes“) zum ersten Mal seit über 500 Jahren ihren angestammten Platz im Glockenstuhl, um sich Restaurierungsarbeiten im Glockenschweißwerk Lachenmeyer in Nördlingen zu unterziehen. Nach vollendeter Arbeit, kamen sie zwei Monate später, am 23. Juni, wieder nach Braunschweig zurück.

Schweißungen an Glocken werden vorgenommen, um Risse, die infolge Materialermüdung entstanden waren, wieder zu verfüllen. Dabei wurden die Risse zunächst ausgesägt, sodann die Glocke auf Hochtemperatur gebracht, die jedoch noch weit unter dem Schmelzpunkt liegt. Anschließend wurden die Risse mit Bronze der exakt gleichen Legierung ausgegossen. Durch die Hochtemperatur werden die Elementarteilchen auch an den nicht geschweißten Teilen der Glocke neu ausgerichtet, eventuell ermüdete Stellen sind dann ebenfalls „wie neu gegossen“.

Im Zusammenhang mit den Schäden an den drei größten Glocken des Doms wurde in der letzten Zeit deutliche Kritik an der Läutepraxis geübt, welche bislang darin bestand, eben diese Glocken täglich mindestens 10 Minuten zu läuten. Ein schonenderer Umgang mit 500 Jahre alten Denkmalglocken wurde vermehrt angemahnt.

Die Krypta

Im Dom befindet sich eine große Krypta, die Grablege der welfischen Fürsten der braunschweigischen Linie vom 17. Jahrhundert bis in das 19. Jahrhundert.

Der Braunschweiger Dom während der Zeit des Nationalsozialismus

Die Nationalsozialisten versuchten mehrfach, Heinrich den Löwen und den Dom ideologisch-propagandistisch im Sinne der nationalsozialistischen Rassen- und Lebensraum-Ideologie zu instrumentalisieren. Besonderes Interesse hieran zeigte der braunschweigische Ministerpräsident und NSDAP-Mitglied, Dietrich Klagges, der für Braunschweig den Titel der „deutschesten Stadt“ erringen wollte, einen Titel, den Hitler später Nürnberg zuerkannte.

Durch seinen 1147 unternommenen Kreuzzug gegen die slawischen Völker nordöstlich Braunschweigs (bis zur Ostseeküste), deren daraus resultierende Unterwerfung sowie die danach verstärkte Ostkolonisation versuchten nationalsozialistische Ideologen wie z. B. Alfred Rosenberg, Heinrich den Löwen als Vorreiter ihrer Ideologie erscheinen zu lassen.

Zwischen 1935 und 1940 wurde die aus dem 19. Jahrhundert stammende Inneneinrichtung des Domes vollständig entfernt und das Gebäude in Sinne des Regimes teilweise baulich und gestalterisch verändert.

Legenden

Kratzspuren am Löwenportal

Auf der Nordostseite des Domes befindet sich das sogenannte „Löwenportal“. Es ist das einzige erhaltene Domportal aus romanischer Zeit und bekannt für die dort in den steinernen Türlaibungen befindlichen „Kratzspuren“. Der Sage nach sollen sie vom Löwen Heinrichs des Löwen stammen. Als der tote Herzog aufgebahrt im Dom lag, versuchte der Löwe zu seinem Herrn zu gelangen, indem er am Portal kratzte.

Die tatsächliche Ursache dieser „Kratzspuren“ dürfte allerdings darin liegen, dass Soldaten dort ihre Waffen, wie z. B. Schwerter und Lanzen zum Schärfen wetzten, was im Laufe der Jahrhunderte die tiefen Einkerbungen hinterließ. Eine andere Erklärung ergibt sich aus der Tatsache, dass dieses Portal das einzige ist, welches aus der Erbauungszeit des Domes stammt und somit mit einiger Wahrscheinlichkeit das Portal darstellt, „dessen Steine Heinrich den Löwen gesehen“ haben. Im Mittelalter und Spätmittelalter maß man daher den Steinen eine besondere (Heil-)Kraft zu und versuchte aus ihnen Pulver zu gewinnen. Durch die Einnahme dieses Pulvers versprach man sich Teilhabe an der legendären Kraft Heinrichs des Löwen. Ein weiterer Grund für die Bevölkerung, sich Teile des Steines abzukratzen, könnte mündlicher Überlieferung zufolge auch darin zu sehen sein, dass Sankt Blasius, dem der Dom geweiht ist, der Schutzpatron der Halskranken ist. Die Einnahme des Pulvers sollte Heilung bringen.

Kanonenkugel in der Ostwand

In der Ostseite des Domes befindet sich eine Kanonenkugel in der Mauer. Sie soll von einer der zahlreichen Belagerungen der Stadt im 17. Jahrhundert stammen. Unter der Kugel ist in römischen Ziffern „20. August 1615“ eingemeißelt. Dies weist auf die Belagerung durch die Truppen Herzog Friedrich Ulrichs von Braunschweig-Wolfenbüttel im Sommer 1615 hin.

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Herzog Anton Ulrich-Museum

Mai 25, 2008 Von: Oliver Kube Kategorie: Braunschweig

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Herzog Anton Ulrich-Museum

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Das Herzog Anton Ulrich-Museum (HAUM) (offizielle Schreibweise), wie es seit 1927 heißt, wurde 1754 in Braunschweig gegründet. Mit seinen über 250 Jahren ist es das größte und bedeutendste Kunstmuseum des Landes Niedersachsen und eines der wichtigsten Museen alter Kunst der Bundesrepublik Deutschland. Benannt ist es nach seinem Gründer, Anton Ulrich, Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel (* 1633; † 1714).

Entstehung

Das „HAUM“ hat seine Ursprünge im „Kunst- und Naturalienkabinett“ des Braunschweigischen Herzogs Karl I., das dieser 1754 eröffnete und welches sich zunächst in der Burg Dankwarderode befand. Dieses „Kabinett“ war das erste für die Öffentlichkeit zugängliche Museum des europäischen Kontinents und wurde nur ein Jahr nach dem British Museum in London gegründet. Das HAUM ist somit das älteste Museum Deutschlands und das zweitälteste Museum der Welt.

Sammlungen

Von der Burg Dankwarderode zog die Kunstsammlung 1765 in das (heute nicht mehr existente) Paulinerkloster am Bohlweg in Braunschweigs Innenstadt, wo sie weiter anwuchs, so z.B. durch Auffüllung mit Stücken aus dem (ebenfalls nicht mehr existenten) „Grauen Hof“, der Kunstkammer Bevern und dem Schloss Salzdahlum. Die Ausstellungsstücke – damals in allererster Linie reine Repräsentationsstücke – umfassten v.a. Bronzestatuen, Kunstkammerobjekte, Möbel, Elfenbeinschnitzereien, Majoliken (größte Sammlung italienischer Majoliken nördlich der Alpen), Emaillearbeiten (über 200 Objekte) und Ostasiatica.

Gemäldesammlung

Die Sammlung wurde über die Jahre v.a. durch Zukauf niederländischer Landschaftsgemälde und Stillleben erweitert. Darüber hinaus entstand auch ein Kupferstichkabinett.

Die Gemäldesammlung umfasst u.a. wichtige Werke von:

François Boucher
Lucas Cranach d. Ä.
Albrecht Dürer
Anthonis van Dyck
Giorgione
Jakob Philipp Hackert
Rembrandt
Hyacinthe Rigaud
Rubens, z.B.: Judith mit dem Haupt des Holofernes
Palma il Vecchio
Jan Vermeer, z.B.: das Mädchen mit dem Weinglas
Antoine Watteau

Das Museum im 19. Jahrhundert

Im 19. Jh. sah sich das Museum zahlreichen, zum Teil dramatischen, Veränderungen unterworfen. So hatte sich bereits gegen Ende des 18. Jahrhunderts die schlechte Bausubstanz des Schlosses bemerkbar gemacht. Schnelle Abhilfe war von Nöten. Verschlimmert wurde die Lage aber schon bald dadurch, dass das Land Braunschweig 1806 von napoleonischen Truppen besetzt wurde, die große Teile der kostbarsten Kunstgegenstände in den Pariser Louvre entführten. In Folge der Besetzung durch Napoleons Truppen, war Braunschweig bis auf Weiteres Bestandteil des Königreiches Westfalen. Im Jahre 1811 ließ der König von Westfalen und Bruder Napoleons Jérôme das Schloss Salzdahlum abreißen.

Im Zuge der Befreiungskriege (1813 – 1815) erhielt Braunschweig jedoch wieder seine alte Eigenständigkeit und die geraubten Kunstschätze zurück. Allerdings war das Land nun verarmt und es gab nicht mehr genügend Platz, um die „neuen“ alten Kunstschätze unterzubringen. Folglich musste eine Möglichkeit gefunden werden, die Kunstgüter zum einen sicher aufzubewahren und zum anderen für diese wichtige Kunstsammlung ein angemessenes und repräsentatives Gebäude zu bekommen.

Es dauerte aber noch bis zum Jahre 1887, dass der von Architekt Oskar Sommer in Zusammenarbeit mit dem damaligen Museumsdirektor Herman Riegel entworfene Neubau eröffnet werden konnte. Seither ist das Gebäude im äußeren Erscheinungsbild unverändert geblieben (im 2. Weltkrieg nur geringe Gebäudeschäden). Die Bestände wuchsen allerdings verglichen mit den vorangegangen Jahrzehnten, nicht zuletzt wegen Geldmangels, nur noch gering. So konnte 1868 die Sammlung Reinike, 1910 die Sammlung Vasel und schließlich 1944 die Vieweg-Tepelmann-Sammlung hinzugefügt werden.

Das Museum nach 1918

Nach der Auflösung des Herzogtums Braunschweig im November 1918 ging die Trägerschaft für das Museum zunächst an eine Stiftung über. Seit dem Ende des 2. Weltkrieges liegt die Verantwortung vollständig beim Land Niedersachsen.

Wie zu Beginn des „Kunst- und Naturalienkabinetts“ Karl I., beherbergt die Burg Dankwarderode seit einiger Zeit wieder Kunstschätze aus dem umfangreichen Fundus, nämlich Kunstwerke des Mittelalters.

Das im Krieg nur wenig beschädigte Gebäude des Museums muss dringend grundsaniert werden, da das Dach an einigen Stellen undicht geworden ist. Außerdem sollen zukünftig mehr Kunstwerke als bisher ausgestellt werden. Deshalb ist hinter dem jetzigen Gebäude im Museumspark ein Erweiterungsbau geplant. Während der dann folgenden Renovierungszeit des Altbaus könnten die wichtigsten Schätze des Museums dort gezeigt werden. Der Erweiterungsbau soll frühestens 2007 begonnen werden.

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Magniviertel, Braunschweig

Mai 25, 2008 Von: Oliver Kube Kategorie: Braunschweig

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Magniviertel, Braunschweig

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Das Magniviertel ist eines der ältesten Viertel der Stadt Braunschweig. Es befindet sich im Weichbild Altewiek und gehört heute zu den fünf sogenannten „Traditionsinseln“ der Stadt.

Das Viertel besteht noch heute aus zahlreichen, größtenteils sehr gut erhaltenen Fachwerkhäusern und ist eines der wenigen verbliebenen Ensemble in der ehemals größten Fachwerkstadt Deutschlands. Durch zahlreiche Luftangriffe während des Zweiten Weltkrieges, insbesondere den Feuersturm des massiven Luftangriffs vom 15. Oktober 1944, wurden 90 % der Braunschweiger Innenstadt zerstört und nur wenige alte Gebäude und Straßenzüge sind in ihrer ursprünglichen Form erhalten geblieben.

Zentraler Punkt und Namensgeberin des Viertels ist die Magnikirche, die im Jahre 1031 geweiht wurde. In der Weiheurkunde wurde die Stadt Braunschweig (als „Brunesguik“) erstmals urkundlich erwähnt.

Das älteste Haus, Am Magnitor 1, stammt aus dem Jahr 1490. Am östlichen Ausgang des Viertels befand sich in den ehemaligen Wallanlagen das Magnitor, das in Richtung Magdeburg führte, bis es 1720 geschlossen und 1787 abgebrochen wurde. Seit 1861/65 liegen in diesem Bereich das Städtische Museum, Stadtarchiv und Stadtbibliothek.

Am westlichen Ausgang wurde in den 1970er Jahren auf dem ehemaligen Gelände des Braunschweiger Schlosses ein Warenhaus errichtet; seit 2001 steht hier auch das Happy RIZZI House.

Durch eine Vielzahl von Gaststätten entspricht das Viertel wohl am ehesten dem, was in anderen Großstädten als „Altstadt“ verstanden wird, wenngleich in viel kleinerem Maßstab. Seit 1974 findet alljährlich am ersten Septemberwochenende das „Magni-Fest“ statt, ein Straßenfest mit Kleinkunst und Marktständen.

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Kirche St. Magni, Braunschweig

Mai 25, 2008 Von: Oliver Kube Kategorie: Braunschweig

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Kirche St. Magni, Braunschweig

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Die Magnikirche in Braunschweig stammt aus dem frühen 11. Jahrhundert und bildet heute den Mittelpunkt des Magniviertels im alten Weichbild Altewiek.

Geschichte

Die Weiheurkunde aus dem Jahr 1031 gilt als erster urkundlicher Beleg der Existenz dessen was heute die Stadt Braunschweig ist. In der Urkunde wird die Siedlung als Brunesguik bezeichnet. Als Namenspatron wird der apulische Bischof Magnus vermutet, der besonders bei den Friesen verehrt wurde. In diesem Fall hätte die Siedlung schon sehr früh Handelsbeziehungen bis zur Nordsee unterhalten.

Weiheurkunde von 1031

Die Weiheurkunde von 1031 ist in der Form eines Protokolls bzw. einer „notitia“ angefertigt. Der Kirche werden die Brunesguik (Braunschweig bzw. Altewiek), Everikesbutli (wüst, im Gebiet von Querum), Thuringesbutli (wüst, Schunteraue), Ibanroth (Bienrode), Velittunun (Veltenhof), Hanroth (wüst, zu Veltenhof gehörend) , Guinitthun (Wenden), Riudun (Rühme), Marquarderoth (wüst, Braunschweig-Nordstadt)., Ottonroth (wüst, am Nussberg), Glismoderoth (Gliesmarode) Huneshem (wüst, am Lünischteich, Riddagshausen), Fritherikesroth (wüst, zwischen Mastbruch und Mittelriede), Ruotnun (Rautheim), Morthorp (wüst, auf dem Braunschweiger Hauptfriedhof am Streitberg, siehe Viewegs Garten-Bebelhof), Reindageroth (wüst, bei Rautheim), Limbeki (wüst, Bebelhof, siehe Viewegs Garten-Bebelhof]) und Ekthi (wüst, am Zuckerberg siehe Viewegs Garten-Bebelhof) zugewiesen. Alle diese Orte liegen oder lagen östlich der Oker, die bis zur Reformation zum Bistum Halberstadt gehörten. Die der westlichen Okerseite gehörten zum Bistum Hildesheim

Baugeschichte

Die Pfarrkirche St. Magni wurde ab 1252 neu gebaut, Reste der ursprünglichen Kirche sind in den Fundamenten erhalten geblieben. Im Glockenhaus zwischen zwei kurzen oktogonalen Türmen auf dem quaderförmigen sächsischen Westriegel hängt die „Magnusglocke“ aus dem Jahr 1335, die älteste Glocke des Braunschweiger Landes.

Zwischen 1873 und 1877 wurde das Gebäude durch Ludwig Winter restauriert und von Max Osterloh und Adolf Quensen im Stil des Historismus ausgemalt. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Kirche vor allem durch den Bombenangriff vom 23. April 1944 sehr stark beschädigt. Nach Kriegsende standen nur noch der Turm und die Säulenarkaden des Langhauses. Von 1956 bis 1964 wurde der Bau in wesentlich veränderter, teilweise moderner Form wiederhergestellt.

1958 wurde am Giebel des Chors eine moderne Plastik mit dem Namen Der Rufer von Bodo Kampmann angebracht, der von der Giebelwand auf den niedrigeren Mittelteil des Langhaus schaut. Er symbolisiert den apokalyptischen Engel, der auf der Trompete zum Jüngsten Gericht bläst. Bezogen wurde das mahnende Rufen des Engels auf den Zweiten Weltkrieg und die Zerstörung Braunschweigs.

An der Nordwand des Langhauses ist in moderner Buntverglasung der Zug der Israeliten durch das Rote Meer zu sehen. In der Kirche befinden sich ein bronzenes Taufbecken von 1458, Reste eines Passionszyklus, mehrere Epitaphien und der Torso des von Anton Detlev Jenner begonnenen und von Matthäus Heinrich Vetten vollendeten barocken Hochaltars von 1730/1734. Zur Wiedereinweihung 1964 erhielt die Kirche ein modernes Kruzifix von Ulrich Henn. Die Orgel stammt von der Firma Alfred Führer.

Beim Wiederaufbau wurde das Langhaus in deutlich niedrigerer Form ausgeführt, die Fensterreste der Südwand wurden zugemauert und die Nordseite wurde in Beton mit Langfenstern ausgeführt. Die total zerstörte Apsis von 1447 wurde ohne gotisches Maßwerk in den Fenstern wiedererrichtet, die intakte nördliche Säulenarkade des Langhauses wurde abgetragen zugunsten eines großen hallenartigen Kirchenraumes. Das Gewölbe wurde ebenfalls nur über der Apsis wiederhergestellt, im Langhaus wurde innen ein Schleppdach mit hölzerner Verkleidung eingezogen, welches auf der südlichen Seite auf den erhaltenen Säulenarkaden ruht, auf der nördlichen Seite von einer Betonkonstruktion getragen wird.

Der Wiederaufbau Braunschweigs ältester Kirche in moderner Form wurde vielfach kritisiert. Auf der einen Seite sei intakte historische Substanz beseitigt worden, auf der anderen Seite sei vollkommen Zerstörtes (die Apsis) in einer vereinfachten, historisierenden Form wiederaufgebaut worden, wie sie so nie bestanden habe. Vor allem hätte die Magnikirche vor ihrer Zerstörung keine Jochgiebel gehabt, die für die braunschweigischen Kirchen sonst üblich sind. Nach dem Wiederaufbau wurden die Joche der Apsis dennoch mit Giebeln versehen.

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Schlossarkaden

Mai 25, 2008 Von: Oliver Kube Kategorie: Braunschweig

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Schlossarkaden

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Das Braunschweiger Schloss, auch Braunschweiger Residenzschloss genannt, auf dem Bohlweg im Zentrum der Stadt Braunschweig, war von 1753 bis zum 8. November 1918 die Residenz der Braunschweigischen Herzöge.

Der erste Bau wurde ab 1718 unter der Leitung Hermann Korbs errichtet. Nachdem dieses Gebäude 1830 niedergebrannt war, wurde unter Carl Theodor Ottmer bis 1841 ein zweiter Bau errichtet, der nach z. T. schweren Beschädigungen durch Luftangriffe während des Zweiten Weltkrieges aufgrund eines Beschlusses des Braunschweiger Stadtrates im Jahre 1960 vollständig abgerissen wurde. Auf der so entstandenen Brache wurde in der Folgezeit der Schlosspark angelegt, der wiederum aufgrund eines erneuten Beschlusses des Stadtrates aus dem Jahre 2004 im Frühjahr 2005 komplett beseitigt wurde, um auf dem so frei gewordenen Gelände bis zum Frühjahr 2007 ein großes Einkaufszentrum, die sogenannten „Schloss-Arkaden“, zu errichten, dessen Westseite zu großen Teilen aus einer originalgetreuen Rekonstruktion der Fassade des Ottmer-Baus besteht. Der Neubau des Schlosses wurden am 6. Mai 2007 offiziell der Öffentlichkeit übergeben.

Geschichte

Der „Graue Hof“

An der Stelle, wo Landbaumeister Hermann Korb ab 1718 das erste Schloss errichten ließ, befand sich seit dem Mittelalter der Stadthof, die innerstädtische Niederlassung der Zisterziensermönche, aus dem, östlich vor den Toren Braunschweigs gelegenen, Kloster Riddagshausen. Die Bezeichnung „Grauer Hof“ gaben ihm die Braunschweiger Bürger wegen der Farbe der Kleidung der dort lebenden Mönche.

Bis zum Jahre 1671, in dem die Stadt Braunschweig ihre Unabhängigkeit verlor, diente er als Quartier für die Welfen-Herzöge, wenn diese zu Besuch in Braunschweig waren („zu Besuch“ deshalb, weil ihre Residenz in Wolfenbüttel lag). Erste Planungen für den Neubau einer innerstädtischen Residenz der Herzöge begannen auf Weisung Herzog Anton Ulrichs unter Baumeister Korb um das Jahr 1715.

Das Schloss im 18. Jahrhundert

1718 schließlich begannen umfangreiche Neubaumaßnahmen auf dem Gelände des Grauen Hofes. Der größte Teil der alten Klostergebäude wurde abgerissen, und so entstand die erste Residenz der Herzöge in Braunschweig.

Der Mittelbau (Corps de Logis) verfügte über zwei Geschosse mit Mezzanin, das Erdgeschoss hatte die für Korb typischen Arkaden, innere Seitenflügel (Cour d’Honneur) um den rechteckigen Hof angeordnet, äußere Flügel waren trapezartig nach außen erweitert.

Während der Regierungszeit Herzog August Wilhelms wurden 1724 die inneren Flügel mit der Kapelle fertig gestellt. In den dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts begann man mit dem Mittelbau, und die Arbeiten am inneren Südflügel wurden beendet. Die Arbeiten am Mittelbau waren selbst um 1730 immer noch nicht abgeschlossen. So musste das Gebäude zunächst durch ein Notdach geschützt werden. Unter dem neuen Bauleiter Martin Peltier de Belfort wurde 1752/54 der äußere Nordflügel nach den Plänen des bereits 1735 verstorbenen Korbs ausgeführt.

Obwohl der Gesamtkomplex 1753 immer noch nicht fertig gestellt war, wurde die Residenz nun nach Braunschweig verlegt. Erst 1790 während der Regentschaft Herzog Karl Wilhelm Ferdinands wurde sie mit dem massiven Mittelbau unter Leitung von Hofbaumeister Christian Gottlob Langwagen in reinerem Klassizismus vollendet.

Während der Besetzung von Stadt und Herzogtum Braunschweig durch die Truppen Napoléons I. zwischen 1807 und 1813, gestaltete Peter Joseph Krahe schließlich das Gebäude für Jérôme Bonaparte, dem Bruder Napoléons und König des neu geschaffenen Königreiches Westfalen, zu dem Braunschweig gehörte, im Empire-Stil um.

Sowohl seine Blütezeit als auch seinen Untergang erlebte das Schloss unter Herzog Karl II

Die Braunschweiger Revolution von 1830

Am 7. September 1830 kam es zur Braunschweiger Revolution. Bürger und Landstände der Stadt und des Herzogtums rebellierten gegen Herzog Karl II., den sie wegen seiner Verschwendungssucht „Diamantenherzog“ nannten. Im Zuge dieser Revolution stürmte eine aufgebrachte Menschenmenge zunächst das umzäunte Gelände der Residenz und anschließend das Schloss, um dieses zu plündern und schließlich in Brand zu setzen. Ohne dass dabei sich in der Nähe befindliche Wohngebäude in Mitleidenschaft gezogen wurden, brannte das Gebäude bis auf die Grundmauern nieder. Der Diamantenherzog floh am selben Abend aus Braunschweig und kehrte nie wieder zurück. Sein Bruder Wilhelm folgte ihm als Regent.

Der Braunschweigische Hofbaumeister und Schinkelschüler Carl Theodor Ottmer erhielt daraufhin den Auftrag, ein neues Schloss zu planen und zu bauen. Am 26. März 1833 wurde der Grundstein für diesen Neubau gelegt. Der mit der Front nach Westen ausgerichtete, dreiflüglige, U-förmige Bau fand im Dezember 1837 einen ersten Abschluss mit der Vollendung der herzoglichen Privaträume im Nordflügel. Zwischen 1838 und 1840 wurden die Repräsentationsräume im Haupt- und Südflügel fertig gestellt, so dass das Gesamtgebäude am 21. März 1841 vollendet wurde. Im Gedenken an seinen Erbauer, der 1843 verstarb, wird das Braunschweiger Schloss auch „Ottmer-Bau“ genannt.

Ein erneuter Brand in der Nacht des 24. Februar 1865 aufgrund eines technischen Defektes zerstörte den Nordtrakt und beschädigte den nördlichen Teil des Hauptgebäudes schwer (auch die Braunschweiger Quadriga wurde dabei schwer in Mitleidenschaft gezogen). Bis 1868 rekonstruierte Baumeister Carl Wolf das Gebäude, wobei die Quadriga in etwas verkleinerter Form wieder an ihren angestammten Platz kam.

Die Braunschweiger Quadriga

Die nach einem Entwurf Ernst Rietschels ab 1855 gefertigte und den Mittelbau des Schlosses krönende Quadriga mit Brunonia, wurde vom Braunschweiger Erzgießer und Kupfertreiber Georg Howaldt gleich in zwei Exemplaren hergestellt. Sie war die einzige Quadriga in Deutschland, die den Zweiten Weltkrieg fast unversehrt überstanden hatte, obwohl keinerlei Maßnahmen zu ihrem Schutz während des Krieges ergriffen worden waren. Erst nach Kriegsende wurde sie durch Buntmetalldiebe zerstört. Ihre Reste wurden 1960 beim Abriss des Schlosses verschrottet. Im Zuge des Neubaus des Schlosses entstand in den Jahren 2006/2007 eine dritte Version der Quadriga auf Grundlage eines Originalmodells Rietschels, dass im Maßstab 1:3 in Dresden erhalten geblieben war.

Die Residenz zwischen 1884 und 1913

Nachdem Wilhelm, der letzte Welfen-Herzog, 1884 ohne legitimen Erben verstorben war, fiel die Regierung in Braunschweig zunächst an einen auswärtigen Regenten, da der Kaiser und auch Preußen die “Bundestreue” des rechtmäßigen Erben, Kronprinz Ernst-August von Hannover, nicht gewährleistet sahen, da dieser weiterhin seinen Anspruch auf das ehemalige Königreich Hannover aufrecht erhielt. So residierte zunächst Albrecht von Preußen bis zu seinem Tode und anschließend Johann Albrecht zu Mecklenburg (bis zum 1. November 1913) im Schloss.

Erst durch die Hochzeit Herzogs Ernst August III. mit Prinzessin Viktoria Luise von Preußen, der einzigen Tochter Kaiser Wilhelms II. und der damit verbundenen Aussöhnung zwischen Hohenzollern und Welfen, bestieg am 1. November 1913 ein letztes Mal ein Welfe den Braunschweiger Thron und zog wieder in das Braunschweiger Schloss ein.

Das Schloss im 20. Jahrhundert

Das Gebäude selbst blieb in dieser Zeit größtenteils unverändert erhalten und war bis zum 8. November 1918 Sitz des Hauses Braunschweig-Lüneburg. In der Folge der Novemberrevolution in Braunschweig wurde Herzog Ernst-August an jenem Tag zur Abdankung gezwungen und verließ Braunschweig kurz darauf mit seiner Familie, um zunächst ins österreichische Exil nach Gmunden zu gehen.

Um das Gebäude und v. a. auch dessen (historisch) wertvolles Inventar zu retten, wandelte man das Schloss um; so enthielt es u. a. das „Kleine Haus“ des Braunschweigischen Staatstheaters, das Naturhistorische Museum, Institute der Technischen Hochschule Braunschweig, eine Galerie für Moderne Kunst (gegründet von Otto Ralfs), eine Öffentliche Bücherei und die Landessteuerstelle.

Das Schloss als SS-Junkerschule

Aber auch dieser Zustand war nicht von langer Dauer, denn ab Juni 1937 beherbergte das Gebäude nach entsprechendem Innenumbau nur noch eine von zwei von den Nationalsozialisten in Deutschland geschaffenen SS-Junkerschulen zur militärischen und ideologischen Ausbildung bzw. Schulung späterer SS-Offiziere. Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Schloss mehrfach bei Bombenangriffen beschädigt, 1944 sogar schwer, stand aber bei Kriegsende noch in seinen wesentlichen Bestandteilen.

Abriss des Schlosses

Schon bald nach dem Ende des Krieges entbrannte eine Debatte, was mit dem Schloss und dem dazugehörigen, angrenzenden Park geschehen solle. 1955 übereignete das neu gegründete Bundesland Niedersachsen als Rechtsnachfolger des Landes Braunschweig das Schloss – bzw. das, was die Bombenangriffe des Zweiten Weltkrieges davon übrig gelassen hatten – mit der Auflage an die Stadt Braunschweig, das Gebäude entweder binnen fünf Jahren wieder instand zu setzen oder aber abreißen zu lassen.

Große Teile der Braunschweiger Bevölkerung waren für den Wiederaufbau; so gab es bereits recht detaillierte Pläne, das Schloss zu einer Stadthalle mit Kinos und Restaurants umzubauen. Eine Bürgerinitiative sammelte Unterschriften, es gab Proteste des Braunschweigischen Landesvereins, der Fakultät für Bauwesen der Technischen Hochschule Braunschweig, der Kunstgeschichtlichen Gesellschaft aus Hannover und zahlreicher Anderer (so auch Herzogin Viktoria Luise), diese blieben letztlich jedoch erfolglos.

Der Streit zog sich fünf Jahre hin, da das Land Niedersachsen keine Verlängerung der Frist zuließ. Aufgrund der Situation im Nachkriegs-Braunschweig (Trümmerräumung noch nicht abgeschlossen, begrenzte Finanzmittel, fehlende Wohnungen, Verlegung und Neubau des Hauptbahnhofes) wurden lediglich Sicherungsmaßnahmen an der Bausubstanz des Schlosses durchgeführt, weitergehende Maßnahmen aber mit dem Hinweis auf Geldmangel nicht eingeleitet. Am 21. Dezember 1959 gelang es schließlich der in Braunschweig mit absoluter Mehrheit regierenden SPD unter Führung der damaligen Oberbürgermeisterin Martha Fuchs, mit einer Mehrheit von zwei Stimmen die Entscheidung des Rates der Stadt Braunschweig für den Abriss des Braunschweiger Schlosses herbeizuführen. Die Abrissarbeiten begannen am 18. März 1960 und fanden, trotz fortdauernder Proteste seitens der Bevölkerung, zügig ihren Abschluss. An der Stelle des abgerissenen Gebäudes wurde eine Erweiterung des Schlossparks durchgeführt.

Bei den Abrissarbeiten ließ man beim Portikus, im Gegensatz zu den meisten anderen Teilen, Rücksicht walten: Er wurde vorsichtig zerlegt, nummeriert und in einer Grube am Madamenweg eingelagert. Herausragende Teile wie Reste von Figuren wurden auf dem städtischen Bauhof an der Ludwigsstraße verwahrt, vier Säulenkapitelle wurden in einem Wasserbecken im späteren Schlosspark aufgestellt. Der Rest wurde auf das Gelände des Kleingartenvereins Holzenkamp am Madamenweg transportiert, wo sie bis auf Weiteres in einer 45 x 30 Metern großen Grube vergraben wurden. Von zahlreichen Personen wurde der Abriss als Verlust eines Ortes Braunschweiger Identität empfunden.

Befürworter des Abrisses, wie z. B. Martha Fuchs, sahen im Schloss eine Machtdemonstration der herrschenden Welfen, welche die Stadt nach mehreren gescheiterten Versuchen 1671 gegen hartnäckigen Widerstand der Bürgerschaft erobert hatten und als Residenz zentral ein dominierendes Gebäude errichten ließen. Nicht zuletzt trug wohl auch die jüngste Schlossvergangenheit als SS-Junkerschule dazu bei, diese Epoche durch den Abriss für beendet und beseitigt zu erklären.

Die Zeit nach dem Abriss

Nach Beendigung der Abrissarbeiten wurde auf dem Gelände des Schlosses und dem danebenliegenden Schlossgarten der Schlosspark angelegt, der ab 1963 als öffentlicher Park genutzt wurde. Er wurde 1973/74 erweitert und bekam 1976 mit dem Bau der Horten-Tiefgarage und dem Straßendurchbruch Georg-Eckert-Straße seinen noch heute typischen Grundriss.

Für viele war der Schlosspark – gerade im Sommer – ein gern angenommener Treffpunkt. Er bot neben Kinderspielplätzen auch Außenschach, sowie die Möglichkeit, mitten in der Innenstadt im Grünen zu sein. In den letzten 10 Jahren (vor seiner Beseitigung) entstand in einigen Teilen des Parks zunehmend eine Drogenszene.

Rekonstruktion, Neubau und „Schloss-Arkaden“

Am 5. Juli 2004 beschloss der Rat der Stadt Braunschweig mit einer Stimme Mehrheit die Errichtung eines Einkaufszentrums, die sogenannten „Schloss-Arkaden“, auf dem Schlossparkgelände durch den auswärtigen Großinvestor ECE Projektmanagement. Der Beschluss beinhaltete ebenfalls den Neubau des Schlosses in seinen originalen Abmessungen und unter Verwendung der wenigen noch vorhandenen Originalbauteile, die zu diesem Zeitpunkt noch über die ganze Stadt verteilt waren. Wie bereits vor dem Abriss des Originals, kam es auch im Vorfeld dieser Entscheidung sowie im Anschluss daran zu zahlreichen Protesten von Teilen der Bevölkerung, Bürgerinitiativen und Händlern, die zum einen die Zerstörung des Schlossparks kritisierten und zum anderen eine Verödung der Innenstadt auf Kosten ortsansässiger Unternehmen befürchten.

Eingeleitet wurden die Bauarbeiten am 18. Mai 2005 durch Fällung bzw. Rodung der 255 Parkbäume, der erste Spatenstich fand am 13. Juli 2005 statt, Richtfest war am 28. Juni 2006. Am 29. März 2007 wurden die „Schloss-Arkaden“ eröffnet. Das Bauprojekt umfasste auf drei Ebenen verteilt ca. 30.000 m² mit ca. 130 Geschäften sowie 20 Gastronomiebetrieben. Die Schlossfront, die unter Verwendung originaler Bauelemente, die allerdings nur den geringsten Teil des Gesamtmaterials ausmachen, rekonstruiert wurde, misst 116 m in der Breite und einschließlich der in Posen gegossenen dritten Version der Braunschweiger Quadriga 40 m in der Höhe, die zwei Seitenflügel je 60 m. Der Portikus und die Eckrisalite bestehen größtenteils aus Originalbauelementen des Ottmer-Baus und bilden neben den Haupteingängen zum neuen Kulturzentrum auch einen Zugang zum Einkaufszentrum.

13.300 m² des so rekonstruierten Schlosses werden von der Stadt für kulturelle Zwecke angemietet und sollen wie in den 1920er und 1930er Jahren Stadtbibliothek und Stadtarchiv, Kulturverwaltung und Kulturinstitut sowie ein Schlossmuseum aufnehmen. Am 6. Mai 2007 wurde der Gesamtkomplex offiziell der Öffentlichkeit übergeben, und erstmals konnten sich die Besucher bei Besichtigungen einen Eindruck der Räumlichkeiten verschaffen. Die endgültige und vollständige Möblierung der Räume und der Umzug der städtischen Institutionen erfolgen schrittweise ab dem 14. Mai 2007. Am 23. Juni wird die offizielle Eröffnung der Kultureinrichtungen stattfinden, aber bereits vorher werden im „Roten Saal“ die ersten Veranstaltungen stattfinden.

Die nach dem Krieg zwar beschädigten, aber erhalten gebliebenen und restaurierten Reiterstandbilder der Herzöge Karl Wilhelm Ferdinand und Friedrich Wilhelm werden von ihrem Interimsplatz an der Kurt-Schumacher-Straße wieder unmittelbar in die Nähe ihres ursprünglichen Standorts vor dem damaligen Schloss zurückversetzt. Ab dem 4. Juli 2007 sollen die Reiterstandbilder wieder vor dem rekonstruierten Neubau stehen.

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Braunschweiger Handwerkskammer

Mai 25, 2008 Von: Oliver Kube Kategorie: Braunschweig

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Braunschweiger Handwerkskammer

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Die Braunschweiger Handwerkskammer am Burgplatz gegenüber des Doms.

Verbindung Burg - Dom

Mai 25, 2008 Von: Oliver Kube Kategorie: Braunschweig

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Verbindung Burg - Dom

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Die Burg Dankwarderode am Burgplatz in Braunschweig ist eine sächsische Flachlandburg, war über Jahrhunderte Residenz der Braunschweiger Herzöge und ist heute Teil des Herzog Anton Ulrich-Museums.

Bau- und Nutzungsgeschichte

Mittelalter

Auf einer natürlichen Okerinsel bestand bereits im 11. Jahrhundert eine Befestigung der brunonischen Grafen, erstmals 1134 als castrum Tanquarderoth urkundlich genannt, an deren Stelle ca. 1160-1175 die Burg Dankwarderode als Pfalz Herzog Heinrichs des Löwen erbaut wurde. Ein Herzog Dankward als Namensgeber ist historisch nicht nachweisbar. Die Flachlandburg nahm die gesamte Größe der damaligen Okerinsel ein, also etwa von Münzstraße bis Vieweghaus und von Ruhfäutchenplatz bis Domplatz. In Anlehnung an die Kaiserpfalz Goslar wurde das Hauptgebäude als doppelgeschossiger Palas mit Doppelkapelle angelegt. Es bestand ein direkter Zugang vom Obergeschoss in das Nordquerhaus des seit 1173 im Bau befindlichen Domes. Das Erdgeschoss war wie die Goslarer Pfalz durch eine Fußbodenheizung heizbar. Dankwarderode und große Teile der Altstadt wurden 1252 durch einen Brand zerstört.

Renaissance bis 19. Jahrhundert

Der Palas wurde 1616 im Stil der Renaissance umgebaut. Die anderen Burganlagen sind im Laufe der Jahrhunderte verfallen und abgetragen worden. Seitdem bezieht sich die Bezeichnung Burg Dankwarderode nur noch auf den heute in rekonstruierter Form noch sichtbaren Palas. In den Jahren 1635 bis 1643 war der in dieser Zeit auch als ‘Mosthaus’ bezeichnete Bau Sitz Herzog Augusts des Jüngeren († 1666), bevor er die Residenz nach Wolfenbüttel verlegte. Herzog Anton Ulrich ließ in den Jahren 1690 bis 1700 Anbauten durch Völcker und Korb errichten. Die Burgkapelle St. Georg und St. Gertrud ließ man Ende des 17. Jahrhunderts nach einem Brand abbrechen. In den Jahren 1763 bis 1765 wurde der südliche Teil des Palas für Ferdinand, den Bruder Herzog Karls I., durch Carl Christoph Wilhelm Fleischer umgebaut (’Ferdinandsbau’). Seit 1808 diente der Palas als Kaserne. Nach einem Brand im Jahre 1873 war der Abriss zugunsten des Straßenbaus geplant, was durch Bürgerproteste verhindert werden konnte. Die Ruine gelangte 1878 durch Kauf in den Besitz der Stadt.

Rekonstruktion und Neuaufbau

Der Palas wurde von Stadtbaurat Ludwig Winter 1887 bis 1906 auf der Grundlage intensiver archäologischer Untersuchungen auf Kosten des Regenten Prinz Albrecht rekonstruiert und als neoromanischer Bau wieder errichtet. Im Zuge der Sicherung der mittelalterlichen Substanz konnte Winter den mittelalterlichen Grundriss weitgehend rekonstruieren. Zur historischen Substanz gehören die Säulenarkade im Untergeschoss sowie die zur Münzstraße zeigende Rückwand des Palas mit den romanischen Fenstern des Rittersaales. Alles weitere, insbesondere die bekannte Fassade zum Burgplatz hin, sind Rekonstruktionen im Sinne des Historismus und haben in dieser Form höchstwahrscheinlich nicht bestanden.

Der heutige zweigeschossige Saalbau (15 x 42 m) besteht aus dem ‘Knappensaal’ im Erdgeschoss und dem in freier Rekonstruktion entworfenen ‘Rittersaal’ im Obergeschoss. Die historisierende Ausmalung erfolgte durch den Hofdekorationsmaler Adolf Quensen. Während des Zweiten Weltkrieges erlitt der Bau einen Volltreffer durch eine Sprengbombe, was die Dachbalkenkonstruktion des Rittersaales sowie die historistische Ausmalung weitgehend zerstörte. Nach dem Krieg wurden die Schäden provisorisch beseitigt.

Seit 1963 beherbergt der Knappensaal die Mittelalter-Abteilung des Herzog Anton Ulrich-Museums, unter anderem mit dem Original des Braunschweiger Löwen, der im 12. Jahrhundert auf dem benachbarten Burgplatz aufgestellt wurde, sowie dem Kaisermantel Ottos IV.. Der Rittersaal wurde Anfang der 90er Jahre aufwendig rekonstruiert und die Ausmalungen nach originalen Vorlagen wiederhergestellt. Er wird heute für Veranstaltungen und wechselnde Ausstellungen genutzt.

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Burgplatz

Mai 25, 2008 Von: Oliver Kube Kategorie: Braunschweig

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Burgplatz

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Die Burg Dankwarderode am Burgplatz in Braunschweig ist eine sächsische Flachlandburg, war über Jahrhunderte Residenz der Braunschweiger Herzöge und ist heute Teil des Herzog Anton Ulrich-Museums.

Bau- und Nutzungsgeschichte

Mittelalter

Auf einer natürlichen Okerinsel bestand bereits im 11. Jahrhundert eine Befestigung der brunonischen Grafen, erstmals 1134 als castrum Tanquarderoth urkundlich genannt, an deren Stelle ca. 1160-1175 die Burg Dankwarderode als Pfalz Herzog Heinrichs des Löwen erbaut wurde. Ein Herzog Dankward als Namensgeber ist historisch nicht nachweisbar. Die Flachlandburg nahm die gesamte Größe der damaligen Okerinsel ein, also etwa von Münzstraße bis Vieweghaus und von Ruhfäutchenplatz bis Domplatz. In Anlehnung an die Kaiserpfalz Goslar wurde das Hauptgebäude als doppelgeschossiger Palas mit Doppelkapelle angelegt. Es bestand ein direkter Zugang vom Obergeschoss in das Nordquerhaus des seit 1173 im Bau befindlichen Domes. Das Erdgeschoss war wie die Goslarer Pfalz durch eine Fußbodenheizung heizbar. Dankwarderode und große Teile der Altstadt wurden 1252 durch einen Brand zerstört.

Renaissance bis 19. Jahrhundert

Der Palas wurde 1616 im Stil der Renaissance umgebaut. Die anderen Burganlagen sind im Laufe der Jahrhunderte verfallen und abgetragen worden. Seitdem bezieht sich die Bezeichnung Burg Dankwarderode nur noch auf den heute in rekonstruierter Form noch sichtbaren Palas. In den Jahren 1635 bis 1643 war der in dieser Zeit auch als ‘Mosthaus’ bezeichnete Bau Sitz Herzog Augusts des Jüngeren († 1666), bevor er die Residenz nach Wolfenbüttel verlegte. Herzog Anton Ulrich ließ in den Jahren 1690 bis 1700 Anbauten durch Völcker und Korb errichten. Die Burgkapelle St. Georg und St. Gertrud ließ man Ende des 17. Jahrhunderts nach einem Brand abbrechen. In den Jahren 1763 bis 1765 wurde der südliche Teil des Palas für Ferdinand, den Bruder Herzog Karls I., durch Carl Christoph Wilhelm Fleischer umgebaut (’Ferdinandsbau’). Seit 1808 diente der Palas als Kaserne. Nach einem Brand im Jahre 1873 war der Abriss zugunsten des Straßenbaus geplant, was durch Bürgerproteste verhindert werden konnte. Die Ruine gelangte 1878 durch Kauf in den Besitz der Stadt.

Rekonstruktion und Neuaufbau

Der Palas wurde von Stadtbaurat Ludwig Winter 1887 bis 1906 auf der Grundlage intensiver archäologischer Untersuchungen auf Kosten des Regenten Prinz Albrecht rekonstruiert und als neoromanischer Bau wieder errichtet. Im Zuge der Sicherung der mittelalterlichen Substanz konnte Winter den mittelalterlichen Grundriss weitgehend rekonstruieren. Zur historischen Substanz gehören die Säulenarkade im Untergeschoss sowie die zur Münzstraße zeigende Rückwand des Palas mit den romanischen Fenstern des Rittersaales. Alles weitere, insbesondere die bekannte Fassade zum Burgplatz hin, sind Rekonstruktionen im Sinne des Historismus und haben in dieser Form höchstwahrscheinlich nicht bestanden.

Der heutige zweigeschossige Saalbau (15 x 42 m) besteht aus dem ‘Knappensaal’ im Erdgeschoss und dem in freier Rekonstruktion entworfenen ‘Rittersaal’ im Obergeschoss. Die historisierende Ausmalung erfolgte durch den Hofdekorationsmaler Adolf Quensen. Während des Zweiten Weltkrieges erlitt der Bau einen Volltreffer durch eine Sprengbombe, was die Dachbalkenkonstruktion des Rittersaales sowie die historistische Ausmalung weitgehend zerstörte. Nach dem Krieg wurden die Schäden provisorisch beseitigt.

Seit 1963 beherbergt der Knappensaal die Mittelalter-Abteilung des Herzog Anton Ulrich-Museums, unter anderem mit dem Original des Braunschweiger Löwen, der im 12. Jahrhundert auf dem benachbarten Burgplatz aufgestellt wurde, sowie dem Kaisermantel Ottos IV.. Der Rittersaal wurde Anfang der 90er Jahre aufwendig rekonstruiert und die Ausmalungen nach originalen Vorlagen wiederhergestellt. Er wird heute für Veranstaltungen und wechselnde Ausstellungen genutzt.

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